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  Selbsthilfegruppe Schlaganfall Neuss-Nord
  Besinnliches 1
 




Besinnliches:

Mit Kinderaugen

Besinnliches von einem unbekannten Autor

 

Ich hatte mich auf einer verlassenen Parkbank niedergelassen, um unter den weit ausladenden Ästen eines alten Weidenbaumes zu lesen. Vom Leben war ich enttäuscht und desillusioniert. Ich war zornig auf die Welt, die sich gegen mich verschworen hatte. Und als ob er meinen Tag vollständig ruinieren wollte, kam ein kleiner Junge atemlos auf mich zugerannt, müde vom Spiel. Er hielt schließlich direkt vor mir an mit gesenktem Kopf und rief aufgeregt: „ Sieh mal, was ich gefunden habe!“

In seiner Hand  hielt er eine Blume, die zum Erbarmen aussah: Die Blätter waren verdorrt in Folge eines offensichtlich längeren Wasser- und Lichtmangels. Ich wollte, dass er wieder spielen geht und seine tote Blume mitnimmt. Also lächelte ich knapp und drehte mich dann weg. Doch anstatt sich zurückzuziehen, setzte er sich neben mich und hielt die Blume unter seine Nase. Er erklärte mir mit übertriebener Begeisterung: „Sie duftet wundervoll und ist so schön. Deshalb habe ich sie gepflückt. Sie ist für dich!“

Das kümmerliche Gewächs war im Begriff zu sterben oder bereits tot. Keine Farbe war an ihm, kein noch so matter Hauch von orange, gelb oder rot. Aber ich wusste, ich musste es an mich nehmen, sonst würde der Junge nicht gehen. Also hob ich die Hand um die Blume in Empfang zu nehmen und antwortete spröde: „Das ist genau das, worauf ich gewartet habe!“

Jedoch anstatt mir die Blume in die ausgestreckte Hand zu geben, hielt er sie ziellos irgendwo in die Luft. Da bemerkte ich zum ersten Mal, dass der Junge mit der Pflanze in der Hand nicht sehen konnte, er war blind!

Ich hörte meine Stimme zittern, meine Tränen glitzerten in der Sonne, als ich ihm die Blume aus der Hand nahm und ihm dafür dankte, dass er die allerschönste Blume für mich gepflückt hatte. „ Das habe ich gern getan“ lächelte er und rannte weg um weiter zu spielen, ohne zu ahnen, welche Wende er meinem Tag gegeben hatte.

Ich saß da und fragte mich, wie es ihm möglich war, mein Selbstmitleid unter der alten Weide zu bemerken. Wie konnte er meinen wohlgepflegten Weltschmerz erkennen, ohne zu sehen? Nur mit der Sicht des Herzens hatte er offenbar zu wahren Erkenntnissen gelangen können.

Durch die Augen eines blinden Kindes konnte ich schließlich sehen, dass mein Problem nicht die Welt war, das Problem war ich selbst. Und für all die verlorenen Zeiten, in denen ich blind gewesen war, gelobte ich fortan, auch die guten Seiten des Lebens zu sehen und den Wert jeder Sekunde zu schätzen, die mir bemessen sein würde.

Ich schloss die Augen und hielt die vertrocknete Blume an meine Nase.

Ich atmete die Zerbrechlichkeit einer wunderschönen Rose ein. Und lächelte, als ich den Jungen beobachtete, wieder mit einer Pflanze in der Hand, bereit, das Leben eines einsamen Menschen zu verändern.

 

 

Die vorstehende kleine Geschichte habe ich gelesen. Mag sie Dir vielleicht bei der Gewinnung von neuen Lebensperspektiven in deinem häufig schwierigen Alltag helfen. Das Leben mit chronischen Krankheiten zwingt den Betroffenen oftmals eine Rast- und Denkpause auf, in der sie möglicherweise den Wert der Solidargemeinschaft einer Selbsthilfegruppe schätzen.

 




 
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